Juli 22, 2017

Interrail durch Großbritannien - Planung & Tipps

Ihr Lieben! Seit dem letzten Beitrag ist einiges an Zeit vergangen, ich habe so viel erlebt und gesehen, dass ich kaum hinterher komme, all diese wundervollen Momente gänzlich zu realisieren oder in irgendeiner Form festzuhalten.
Der "längste Sommer meines Lebens" war und wird sehr Reise-intensiv und heute startet der erste Beitrag zu einer kleinen Reihe.

Wenige Tage nach der Abifeier, der wohl beste Abend meines Lebens bisher, ging es auch schon auf ins große Abenteuer: Morgens um 6.30, mit möglichst minimalistisch gepackten Rucksäcken, startete für meine beste Freundin und mich unser Flug nach London. Noch etwas in den Seilen hängend von der vergangenen Abifeier, nicht ganz realisierend, dass dieses Abenteuer, auf welches wir so lange sparten und hinfieberten, nun tatsächlich gekommen war. Die Komplikationen waren vorher groß, zwischenzeitlich glaubte ich schon nicht mehr daran, dass wir wirklich fliegen würden, und doch war es dann am Montag, den 3. Juli soweit.

Doch bevor ich euch unsere Reiseziele vorstellen möchte, hier ein paar allgemeine Infos zu Interrail und insbesondere unserer Reise:


Interrail

 

Was ist Interrail?


Interrail bietet Reisenden die Möglichkeit, mit bloß einem Zugticket durch ganz Europa zu reisen und hierbei fast alle Züge zu nutzen. Im Grunde bezahlt man also einmal der Preis für das Interrail-Ticket selbst und ist dann frei, wohin und mit welchem Zug man fährt. Die Züge, die nicht im Ticket miteingeschlossen sind, in Großbritannien war es der Heathrow Express, findet man auf deren Seite.


Welche Pässe gibt es?


Es gibt den Global Pass, mit dem man innerhalb von ganz Europa reisen kann und den One Country Pass, welchen auch wir hatten, mit dem man innerhalb eines beliebigen Landes fahren kann.
Gut zu wissen ist hierbei, dass ein Interrail-Pass nie im eigenen Heimatland gültig ist.

Wie oft darf ich mit dem Pass fahren?


Bei der Wahl des passenden Tickets kann man sich nicht nur zwischen dem Global und dem One Conutry Pass entscheiden, sondern auch die Anzahl der Reisetage, also die Tage, an denen man das Ticket für Zugfahrten verwendet und die Reiselänge frei wählen.
Beim One Country Pass kann man zwischen 3, 4, 6 oder 8 Reisetagen innerhalb eines Monats entscheiden. In unserem Fall wurden es die 8, die uns während der 16 Tage in Großbritannien vollkommen reichten.
Beim Global Pass ist das Ganze nochmal etwas anders:  Hier kann man für 15, 22 oder 30 Tage reisen und dabei zwischen 5, 7, 10 oder 15 Reisetagen oder gar einem unbegrenzten Fahrtenlimit wählen.

Gibt es Vergünstigungen?


Mit den beiden Pässen hat man oftmals Rabatte für Busse und Fähren. Zwar war dies in unserem Reiseland nicht der Fall, aber je nachdem wohin man fährt, kann man mit den entsprechenden Vergünstigungen einiges an Geld sparen.

Muss ich eine Sitzplatzreservierung vornehmen?


Das ist von Land zu Land unterschiedlich. In Großbritannien sind wir überall gut ohne Reservierung ausgekommen, mussten aber auch das ein oder andere Mal stehen. Bloß bei Nachtzügen, in unserem Fall der von England nach Schottland, kommt man ohne Reservierung nicht weiter. Also am besten vorher informieren.


Mehr Infos:
https://www.interrail.eu/de
https://rail.cc/de


Planung


Welcher Pass und wie viele Reisetage?


Zu aller erst stellt sich wohl die Frage, ob man durch ganz Europa oder bloß ein Land reist. Wir haben uns für den One Country Pass entschieden, weil uns die Reise durch bloß ein Land einfach etwas stressfreier erschien, als durch ganz Europa. In meinen Augen eignet sich der Pass auch wirklich hervorragend für das erste Mal Interrail, denn es ist einfach leichter, eine Route für bloß ein Land festzulegen.
Die Anzahl der Reisetage hängt natürlich vom Ticket, vom Budget und dem Zeitraum, den man zur Verfügung hat, ab.
 
 

Reiseroute planen


Wir haben wirklich lange gebraucht, um unsere Route festzulegen. Doch davor ging es ja erst einmal um die Entscheidung für ein entsprechendes Land/Länder. Hierbei waren wir uns einig, dass es eines sein sollte, in dem wir beide noch nicht waren, oder zumindest nicht lange genug als dass es sich nicht lohnen würde, es erneut zu bereisen. Anfangs stand Norwegen auf unserer Liste (zu teuer), danach wurde es Irland (relativ schlechte Zugverbindungen und deshalb unpraktisch), bis wir schließlich an Großbritannien hängen blieben. 
Hierfür bot sich das Interrail-Ticket perfekt an, da es eben nicht nur für England, sondern auch für Wales und Schottland gilt.
Nachdem das Land schon mal stand, ging es an die Planung der eigentlichen Reiseroute. Hier bietet sich das Durchstöbern von Pinterest und Reiseführern wunderbar an, aber zeitgleich sollte man auch darauf achten, wie gut die jeweiligen Ziele zu erreichen und miteinander verbunden sind. Ziemlich praktisch ist es auf jeden Fall, wenn man, falls man fliegen sollte, einen unterschiedlichen Ankunfts- und Abflugs-Flughafen hat und so nicht mehr zum Startpunkt der Reise zurückkehren muss. So ging unser Hinflug nach London, unser Rückflug von Edinburgh.
Schaut einfach, welche Städte oder Dörfer euch gefallen, checkt die Verbindungen und dann passt das.
Wer ganz spontan ist, kann auch nach Lust und Laune reisen, wohin es ihn gerade verschlägt. Solche Reisende trafen wir auch oftmals, uns persönlich war es aber dann doch sicherer, feste Ziele zu haben.


Unterkünfte buchen oder treiben lassen


Auch hier stellt sich die Frage, ob man eine feste Route haben möchte, oder sich treiben lässt. Sicher, ohne fest gebuchte Unterkünfte genießt man wohl erst die "richtige" Freiheit von Interrail und kann dort bleiben, wo es einem gefällt, ohne Zeitdruck zu haben. Allerdings ist man dann auch dem Risiko ausgesetzt, für eine Nacht am Bahnhof zu campieren und das war uns dann doch zu heikel, weshalb wir im voraus feste Unterkünfte buchten.
Hierbei bieten sich Hostels perfekt an, denn man hat nicht nur eine Unterkunft im günstigen Rahmen, sondern findet schnell Anschluss, trifft auf Gleichaltrige. Wir entschieden uns immer für Vier- oder Sechs-Bett-Zimmer im gemischten oder Frauen-Schlafsaal. Über 6 Leute pro Zimmer wollten wir dann doch nicht gehen, auch wenn es noch günstiger gewesen wäre. Das Bad wurde geteilt, je nach Hostel gab es Frühstück für 1 oder 1, 50 Pfund und in jedem Fall eine Küche. Gerade den letzten Punkt fanden wir ziemlich wichtig, denn auf die Dauer täglich Essen gehen lässt den Geldbeutel ganz schön leiden.
Es gibt sicherlich deutlich günstiger Länder als England und Co., doch bei einer Preisspanne von 20 bis 31 Euro pro Nacht, lagen die Hostels in einem guten Rahmen.
Aber natürlich kann man während der Interrail-Reise auch in Hotels übernachten (je nachdem gar kein so großer Preisunterschied zu Hostels), es gibt Bed & Breakfasts (speziell in GB), Airbnb, Couchsurfing und die Möglichkeit zu campen (bietet sich je nach Wetterlage in Schottland wirklich nicht an).


Verpflegung, Fortbewegung, Sparen


Wie bereits erwähnt legt jeder seine Schwerpunkte anders. Uns ging es vor allem darum, möglichst viel zu sehen und nicht darum, einen luxuriösen Urlaub zu verbringen. So muss man vor allem genügend Geld für die Verpflegung, aber auch für die Fortbewegung an den einzelnen Orten einplanen.
Zum Thema Verpflegung: Sucht euch Supermärkte! Kocht euch selbst - das macht nicht nur Spaß, weil man dabei mit dem ein oder anderen Gast ins Gespräch kommt, sondern ist um einiges günstiger, als immer Essen zu gehen. Nutzt die Möglichkeit zu frühstücken, denn das hält wirklich lange satt und ist für die Preise in den Hostels meist ein Schnäppchen. Sucht euch (Street-Food-) Märkte - eine tolle Alternative zum Essen gehen.
Zum Thema Fortbewegung: Gehen, gehen, gehen! An unserem ersten Tag sind wir über 25 km gelaufen. Zwar dampften am Abend die Füße, aber es lohnte sich, denn so sieht man einfach viel mehr von der Stadt, als mit der U-Bahn zu fahren. Apropo U-Bahn - hier gibt es oft Tickets für mehrere Tage oder ein Tagesticket - definitiv günstiger als Einzelfahrten. Da lohnt es sich, vorher etwas zu recherchieren. Fahrräder ausleihen ist ebenfalls eine schöne Alternative.
Prinzipiell bietet es sich an, sich einen gewissen Preisrahmen pro Tag zu stecken. Das bedeutet nicht, dass man den täglich fest einhalten muss, sondern dient viel eher als Orientierung, um später nicht voller Sorge auf das leere Konto zu blicken.
Auch freie Touren, die in fast jeder Stadt angeboten werden, sind eine schöne Alternative zum typischen Touri-Programm und dazu noch kostenlos (kleine Spenden sind erwünscht).


Reservierungen & Nachtzüge


Informiert euch vorher, in welchen Zügen Reservierungen möglich bzw. nötig sind! Oftmals geht das ganz schnell über das Internet und spart Sorgen vor Ort. 
Eine tolle Möglichkeit, um Geld zu sparen und schnell zum nächsten Ort zu kommen, sind übrigens Nachtzüge. Hierbei braucht man eine Übernachtung weniger im Hostel und ist schon am nächsten Morgen am nächsten Ziel. Hier sind die Reservierungen fast überall nötig. Aber Achtung: der nächste Tag ist sicherlich von Müdigkeit durchzogen und Kaffee ein Muss.


Und zu guter Letzt: Das Reisen genießen!


Seid offen, lernt neue Leute kennen, erzählt euch Geschichte und entdeckt neue Orte! Dann wird das garantiert eine wundervolle Reise, die ihr so schnell nicht vergesst.


In den nächsten Beiträgen nehme ich euch dann mit auf unserer Route.
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