September 20, 2017

"Vegetarisch mit Liebe" von Jeanine Donofrio

In unserem Keller stapeln sich Umzugskisten, mein Zimmer gleicht einer Entrümpelungskammer und man könnte sagen, ich wohne zurzeit im Ikea. Noch zwei Wochen, dann heißt es umziehen. In eine neue Stadt, in die erste eigene Wohnung.
Und mit diesem neuen Lebensabschnitt kommen auch neue Aufgaben einher. Mit unter das selber Kochen. Bisher hatte ich das Glück, dass meine Mama uns täglich frisch kochte. Klar, hier und da habe ich auch mal etwas gekocht (und bin kläglich am Kartoffeln schälen gescheitert), aber das war doch eher die Seltenheit und beschränkte sich auf Salatteller, Pasta, Pizza und Co. 
Viel Gemüse und Obst stand schon Zuhause immer ganz oben auf der Einkaufsliste und es vergeht wohl kein Tag an dem ich nicht mindestens einen Apfel und unzählige Tomaten esse. Auch Fleisch gab es Zuhasue nur zwei- bis dreimal die Woche.

Als dann meine beste Freundin im letzten Frühling Vegetarierin wurde, wusste ich, dass auch ich gerne einmal mehrere Wochen ohne Fleisch leben würde. Ob es etwas für die Dauer ist, weiß ich nicht, doch in meinem Kopf wuchs diese Idee zu einem kleinen Selbstexperiment heran.
Und so kam mir das Kochbuch "Vegetarisch mit Liebe"* aus dem Südwest-Verlag nur allzu gelegen. Vereint es nicht nur meine Chance, in der eigenen Wohnung kochen zu lernen, sondern auch den Versuch, mich vegetarisch zu ernähren.
Als ich das Kochbuch zum ersten Mal aufschlug, fiel mir zu aller erst die schöne Optik dieses auf. Mit einem schlichten und zugleich ästhetischen Design ist "Vegetarisch mit Liebe" ein echter Blickfang und es macht allein wegen der Aufmachung schon großen Spaß, sich durch die Seiten zu blättern. Das Besondere an dem Kochbuch der Bloggerin von "Love & Lemons" ist, dass hier alles nach Gemüse- bzw. Obstsorten sortiert ist, anstatt nach den Kategorien Frühstück, Snacks, Mittagessen.
Insgesamt gibt es drei verschiedene Obstsorten (Äpfel, Beeren und Zitrusfrüchte), sowie 23 diverse Gemüsesorten, die von Karotten bis Avocados über Wurzelgemüse alles abdecken. Bei den jeweiligen Sorten wird noch einmal zwischen den Jahreszeiten unterschieden, was nicht nur das Suche nach dem passenden Rezept, sondern auch der saisonale Umgang mit Lebensmitteln leichter macht.
Mit 120 verschiedenen Rezepten hat Jeanine Donofrio in ihrem vegetarischen Kochbuch eine Vielfalt an Kochideen geschaffen, die staunen lässt. Alles dreht sich um das Gemüse bzw. Obst, so auch die Herangehensweise. Man schaut Zuhause in den Kühlschrank nach dem entsprechenden Gemüse und richtet sich dann demnach. Hier steht ganz allein das Gemüse im Vordergrund, der Rest wird sozusagen drumherum ausgebaut. Diese "verdrehte" Herangehensweise dient dazu, Zeit zu sparen, die man ansonsten im Supermarkt verbringen würde.
Somit schon mal eine tolle Grundidee, die viele Möglichkeiten bietet.
All die Rezepte in "Vegetarisch mit Liebe" versprechen eben genau dies: Ein Rezept, welches mit Liebe zum Gesunden entwickelt wurde. Und diese Liebe spiegelt sich auch wunderbar in den tollen Bildern des Fotografen Jack Mathews wider. Allein beim Betrachten der Bilder bekommt man sofort Lust auf die leckeren Rezepte.
Bisher habe ich noch keines der Rezepte nachgekocht, warte auf meine eigene kleine Küche, um mich dann an eher ungewöhnlichen Kombinationen wie Auberginen-Pilz-Klößchen oder Apfel-Crumble mit Kardamom zu versuchen. Doch umso praktischer ist es, dass in "Vegetarisch mit Liebe" auch einfache Dinge durch das Gemüse aufgepeppt werden. So stellt uns die Bloggerin zum Beispiel eine Blumenkohlsuppe mit roter Paprika (perfekt für den Herbst/Winter), Tacos mit Mangold und weißen Bohnen, Karotten Tacos oder Spiegeleier mit Grünkohl, Salbei und Süßkartoffeln vor. Das Kochbuch bietet eine Bandbreite an ausgefallenen und alltäglichen Rezepten und ich wage zu behaupten, dass vieles, gerade die Salate, auch mit anderen Beilagen wie Fisch oder Fleisch kombinierbar sind.
Am Ende des Kochbuches finden sich außerdem Grundrezepte zu Pizzateig, Guacamole oder Pesto, was das Kochen noch einmal erleichtert und experimentierfreudiger gestaltet.
Dank des tollen, ästhetischen Kochbuches "Vegetarisch mit Liebe" kann ich nun wunderbar in das Studentenleben starten und hoffentlich viele der spannenden Rezepte in die Tat umsetzen.


* Dieses Buch wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen herzlichen Dank an den Südwest-Verlag und das Bloggerportal für die freundliche Kooperation.

September 15, 2017

Interrail: Innere Hebriden, Westküste, Kyle of Lochals & Skye, Schottland (12.07.17)


12. Juli 2017, Kyle of Lochhals & Überfahrt nach Skye:
Die Landschaft zog nur langsam an uns vorbei. Unsere Gesichter waren der Fensterscheibe so nah, dass unser Atem sie beschlug. Die Kamera in der Hand, gepaart mit ständigem "Wow", "Oh mein Gott", "Das ist unfassbar schön". Jeder weiß, dass Fotos, die während einer Zugfahrt durch die Fensterscheibe geschossen werden, meist an ihrer Qualität leiden. Und doch konnten wir nicht anders, als diese atemberaubende Landschaft festzuhalten, wenn wir nicht gerade damit beschäftigt waren, vor staunen regungslos da zu sitzen, oder die schottischen Jungs, die neben uns im Abteil saßen, voller Entsetzen beim Schmatzen zu beobachten.
Ein kleiner Zug, quer durch die inneren Hebriden bis hin zur Westküste. Weit und breit kein Haus zu sehen, winzige Bahnhöfe, an denen hier und da ein Opi mit dickem Schal und Fernglas stand. Der Inbegriff von Ruhe und Abgelegenheit. Unterwegs zu einem Hafenörtchen, von dem aus wir über eine Brücke auf eine Insel gelangen sollten, die gerade einmal sechs Einwohner pro km² zählte.
Nach einem sonnigen, aber kurzen Aufenthalt in Kyle of Lochals, mit dem größten Eis der Welt und dem leckersten Fischbrötchen inklusive Krabbensalat - was sollte man am Meer auch anderes essen - nahmen wir den Bus, der uns über die Brücke, welche die Insel Skye mit dem Festland verbindet, quer über die Insel bis nach Broadford, dem zweitgrößten Ort der Insel bringen sollte. Mit ca. 100.000 Einwohner glaubten wir tatsächlich, dass der Ort etwas lebhafter sei - falsch gedacht. Eine Pizzeria, eine Tankstelle, ein Supermarkt und ein Kiosk mit Fish & Chips, inklusive zweier Hostels. Das war's. Doch für unsere Tage auf Skye reichte es vollkommen und so fühlten wir uns in dem kleinen Örtchen schnell wohl, auch wenn das SHYA Broadford Hostel zu denken übrig ließ. Mit vier Übernachtungen das teuerste und definitiv am schlechtesten ausgestattetste. Aber die traumhafte Landschaft auf Skye machte dies wieder wett und so waren P. und ich uns bereits am Abend sicher: Dies ist einer der schönsten Orte der Welt!
Das Wetter auf Skye hat seine eigenen Verhaltensmuster. Im einen Moment scheint die Sonne und die Insel beglückt dich mit einer wundervollen Aussicht auf's Festland, im nächsten Moment folgt Regen. Doch Skye hat uns gelehrt, dass die Insel bei jedem Wetter wunderschön ist, zu jeder Tageszeit. Vor allem zur blauen Stunde.

September 14, 2017

"Einmal bitte alles" - Filmreview

Manchmal muss man voller Schrecken feststellen, dass sich das Leben nicht planen lässt. Dass nicht immer alles so läuft, wie man sich das vor Jahren ausgemalt hat. Dass das Leben seinen eigenen Walzer tanzt und dass an-Träumen-festhalten mehr als schwierig sein kann.
So geht es auch Isi, die nach ihrem Studium nun auf der Suche nach einer Festanstellung als Illustratorin ist. Ebenso ihrer Freundin Lotte, angehende Journalistin, mit der Isi in einer WG lebt. Doch das Leben spielt eben nicht so, wie die 27-jährige sich das vorgestellt hat. Wenn alles ein Ablaufdatum zu haben scheint, jeder plötzlich vegan ist, Yoga macht und mit 30 den perfekten Lebensentwurf vorweisen kann. Keine positive Resonanz bezüglich ihrer Zeichnungen, plötzlich ohne Wohnung und mit einer nach und nach zerbrechenden Freundschaft.



Der Inhalt des Films "Einmal bitte alles" mag auf den ersten Blick etwas düster klingen, doch für mich war der Film mehr als inspirierend. Er zeigt aus einer ganz anderen Perspektive, was es heißt, "erwachsen" zu werden, wie Menschen sich weiterentwickeln oder verändern. Das Leben eben. Und dies auf eine unheimlich charmante und schöne Art. Auch wenn es nur hier und da einen Hoffnungsschimmer gibt.

Also, große Film-Empfehlung für alle, die jetzt für die regnerischen Tage einen schönen Grund brauchen, um mal wieder ins Kino zu gehen.



September 11, 2017

"Wer die Nachtigall stört" von Harper Lee


"Na, es wäre doch ungefähr so, als würde man eine Nachtigall stören, nicht wahr?" - Scout

(Kapitel 30, S. 438)


Laut dem Rororo-Verlag ist es ein Plädoyer für die Gleichheit aller Menschen. Die SZ bezeichnet es als eine der schönsten Coming-of-age-Geschichten der modernen Literatur. In Amerika mittlerweile zur Pflichtlektüre in Schule geworden und auch in Europa heiß geliebt: "Wer die Nachtigall stört" von Harper Lee ist wahrlich ein Klassiker, der aufrüttelt, nahe geht und an die Menschlichkeit eines jeden appelliert. Es passt wohl so gut in die aktuelle Zeit, wie kaum ein anderes Buch.

Sicherlich haben viele von euch den amerikanischen Bestseller bereits gelesen, es gibt so viele Rezensionen zu dem Werk und im Grunde traue ich es mir kaum zu, auch nur ein Wort über dieses Meisterwerk zu schreiben. Und doch verfasse ich nun ein paar Zeilen zu "To kill a mockingbird", weil ich es nicht unausgesprochen lassen kann. In der Hoffnung, dass ein jeder, der es noch nicht gelesen hat, zu dem Buch greifen wird. In der Hoffnung, dass es euch genauso berührt wie mich. Euch zum Nachdenken anregt. 

Durch Harper Lees Roman betrachtet man die Welt um 1935 durch die Augen zweier Kinder. Die Geschwister Jean Louise "Scout" Finch und Jem Finch haben einen schier unendlichen Sommer vor sich, berichten von den nicht unterschiedlicher sein könnenden Bewohnern des südamerikanischen Städtchens Maycomb und merken hierbei immer wieder, wie unterschiedlich die Menschen sein können. Spüren den Unterschied zwischen Arm und Reich, Gesund und Krank, Schwarz und Weiß. Denn als Atticus, ein beliebter Anwalt, wortgewandter und intelligenter Mann, sowie ihr liebender Vater, den schwarzen Arbeiter Tom Robinson in einem Prozess verteidigt, zeigen sich den Kindern erstmals die damaligen Dimensionen zwischen heller und dunkler Haut. Doch unumstößlich hält Atticus an den menschlichen Werten der Gerechtigkeit fest und auch Scout und Jem lernen, was es heißt, für die Gleichheit der Menschen zu kämpfen.

"Sie kennen die Wahrheit, und die Wahrheit lautet: Manche Neger lügen, manche Neger sind verderbt, manche Neger sind lüstern nach Frauen, sei es nach weißen oder nach schwarzen. Doch dies ist eine Wahrheit, die sich auf die gesamte Menschheit und nicht allein auf eine einzelne Menschenrasse bezieht." - Atticus

(Kapitel 20, S. 325)


Ebenso empfehlenswert wie der Roman, ist auch die schwarz-weiß-Verfilmung von 1962 mit Gregory Peck als Atticus. Die Literaturverfilmung gewann nicht umsonst drei Oscars.

Mir bleibt nur noch zu sagen: Lest dieses Plädoyer für die Menschlichkeit. 


Die Nachbarn bringen Speisen bei Todesfällen, Blumen bei Krankheiten und kleine Geschenke, um die Freundschaft zu erhalten. Boo war unser Nachbar. Er hatte uns zwei Seifenpuppen, eine kaputte Uhr mit Kette, zwei Glückspfenninge, eine Medaille und unser Leben geschenkt.

(Kapitel 31, S. 442)

September 07, 2017

Interrail: Loch Ness & Cromarty, Schottland (11.07.17)


11. Juli 2017, Loch Ness & Cromarty:
Eine Vielzahl an Sagen rankt sich um Nessie, das Monster, das eines Tages im Loch Ness mitten in Schottland gesichtet wurde. An einem eher bewölkten Tag machten auch P. und ich uns auf die Suche nach der Seeschlange. Unsere Fahrt mit dem Bus führte vorbei am spektakulären Loch Ness, mit der größte Loch (= stehende Gewässer oder Meeresbuchten) in Schottland. Und so beeindruckend die Sage um dieses Gewässer auch ist, so enttäuschend ist leider die Burg im schottischen Hochland. Urquhart Castle war uns leider zu kommerziell und so bestaunten wir es bloß aus der Ferne, bevor wir in das kleine Örtchen Drumnadrochit wanderten, von wo aus uns der Bus weiter führte, mit einem Zwischenstopp in Inverness, bevor wir den Bus wechselten und uns auf in den Westen, nach Cromarty machten.

Ein kleines Dorf am Meer gelegen. 719 Einwohner. Ein Leuchtturm, eine alte Kirche mit Gruseleffekt und uraltem Friedhof, das Meer und wir. Cormarty ist unbekannt, hier trifft man, wenn es hoch kommt, fünf Touristen und ansonsten nur Einheimische. Man könnte sagen, in Cromarty ist die Welt noch in Ordnung. Und das ist sie auch.
Weiß getünchte Häuser mit wunderschönen Vorgärten. Ein kleines Café, in dem ein einsamer Mann sitzt, Zeitung liest und seinen Tee schlürft. Am Wasser toben Kinder, zwei Erwachsene wagen sich im Kanu hinaus in die Wellen. Möwen kreischen.
Wir folgen einem schmalen Pfad, fort von den Häusern. Auf der rechten Seite die Weiden, auf denen Schafe schlummern, auf der linken Seite das Meer. Und vor uns? Grüne Wiesen, sich im Wind wiegendes Getreide, die vom Wind zerklüfften Felsen, die vom Meereswasser mehr und mehr verschluckt werden. 
Wir kommen zur Ruhe. 
Atmen durch.
Träumen.

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