Dezember 28, 2017

Interrail: Isle of Skye {12.-14.07.17}

Es hat etwas gedauert bis der nächste Rückblick unserer Interrail-Reise folgte und doch sind die letzten beiden Ziele nicht in Vergessenheit geraten. Ganz im Gegenteil. Wenn ich heute auf die drei Wochen in Großbritannien zurückschaue, muss ich mir eingestehen, dass Skye der schönest Ort war, den wir bereisten. Der Magischste. Mysthischste. Der Ort, an dem Feen ihr Unwesen treiben, an dem man noch Angst vor Trollen und Berggeistern hat. Eine Insel, an der das Wetter und die Busse unberechenbar sein können. An dem man sich verliert und wiederfindet. Skye ist ein Abenteuer und ein Wunder zugleich!
13. Juli 2017, Isle of Skye:
An diesem ersten richtigen Tag auf Skye, standen wir unfassbar früh auf, kochten uns Porridge in der Küche und machten uns dann mit geschnürten Rucksäcken auf Richtung Bushaltestelle. In Broadford, wo sich unsere Jugendherberge befand, gab es genau eine Haltestelle und eine Pizzeria (weltklasse), doch das reichte uns vollkommen aus. So saßen wir morgens um 7 Uhr alleine an der Haltestelle und bangten um den Bus, der uns nach Portree, die Hauptstadt Skyes, bringen sollte. Glück gehabt - er kam - und führt uns durch die wunderschöne Landschaft der Insel. Schon hier hielten wir vor Staunen die Luft an und konnten es kaum erwarten, mehr von der Insel zu entdecken.
In Portree sollte eine Busgruppe auf uns warten, mit der wir die schönsten Ecken der Insel erkundeten. Normalerweise sind weder P., noch ich Fans von solchen Touri-Fahrten, doch ohne Auto ist man auf Skye ziemlich aufgeschmissen, insofern man in drei Tagen möglichst viel von der Schönheit sehen möchte. Und so hatten wir uns spontan in Bath dazu entschieden, an einer solchen Rundfahrt teilzunehmen. Im Nachhinein war dies wirklich die beste Entscheidung, die wir treffen konnten, denn mit unserem Guide, der diesen sonderbaren Dialekt der Insel hatte und voller Begeisterung gälischen Feengesang hörte, hatten wir unfassbares Glück. Wenn ich mich recht erinnere, waren wir bloß acht Teilnehmer und so wurde diese Fahrt zu einem wahren Abenteuer, bei dem man sich so gar nicht nach Kaffeefahrt fühlte.
Von Portree führte uns die Reise zum wohl beliebtesten Punkt auf Skye, den Fairy Pools. Die Legende besagt, dass diese Einbettungen im Gestein, in denen sich Wasser gesammelt hat und wo klares Wasser sich durch die Berge schlängelt, durch Feenkräfte entstanden sind, denn anders sind die intensiven Farben des Wassers, diese Klarheit, nicht zu erklären. Als wir uns den Pfad hinauf schlängelten, hatte ich irgendwann selbst das Gefühl, mich im Reich der Feen zu befinden.
Weiter ging es mit dem Bus zum für uns schönsten und irgendwie auch emotionalsten Punkt der Reise. Zu den Klippen des Neist Points. Es hatte bereits zu regnen begonnen, der Weg war unfassbar rutschig, es stürmte und man hatte das Gefühl, am Ende der Welt angekommen zu sein. Wie verrückt tanzten wir durch den Regen, strahlten um die Wette und fühlten uns schwerelos, unbesiegbar, frei und irgendwie unendlich.
Vom westlichsten Punkt der Insel zog es uns zu einem Feenwald, zum Fairy Glen. Eine Geschichte von einem Mädchen, das sich dort in eine Fee verwandelte und nie wieder gesehen wurde, weite Nebelfelder, Lorbeerwälder und seltsame Steinkreise auf dem Boden - Skye ist magisch und wir befanden uns mittendrin in der Magie.
Ebenso atemberaubend war der Wasserfall beim Kilt Rock. Diese spannende Steinkonstruktion soll an einen Schottenrock erinnern und auch wenn hier viele Touristen sind, lohnt sich der Blick auf's Meer. Einfach durchatmen und durchpusten lassen.
Unser letzter Halt an diesem Tag war der Old Man of Stor, eine sonderbarer Fels, den wir am liebsten zu Fuß erkundet hätten. Doch die Witterung war zu dem Zeitpunkt so schlecht, dass wir großes Glück hatten, den alten Insulaner überhaupt zu Gesicht zu bekommen.
Als wir an diesem Abend in die Betten fielen, fehlten uns die Worte, um die Schönheit dieser besonderen Insel auch nur ansatzweise zu beschreiben. Die Tränen, die mir am Neist Point vor Glück über die Wangen liefen, sagten wohl alles aus.
14. Juli 2017, Isle of Skye:
An unserem letzten ganzen Tag auf Skye brachen wir morgens zu einer Wanderung in die Berge auf. Das Problem: P. und ich haben beide nicht die beste Orientierung und so machten wir uns nach ca. 2 Stunden auf den Rückweg zum Hostel, bevor wir uns so richtig verliefen. Was können wir auch dafür, wenn die Beschilderung nicht stimmt? :D
Nach unsere Erkundungstour sammelten wir Muscheln am Strand, bestaunten den Blick zum Festland und ließen uns treiben. Spätestens an diesem Abend war uns klar: Skye hat unser Herz fest umklammert.

Dezember 08, 2017

Weihnachtsmarkt-Magie

Der Duft nach gebrannten Mandeln, überall glitzert und funkelt es, das Feuer verbreitet eine wohlige Wärme und die Lichter lassen die Augen strahlen.
Weihnachtsmärkte sind etwas wunderbares, umso mehr freut es mich, dass es in Regensburg an fast jeder Ecke einen gibt.
Der wohl schönste ist aber definitiv der romantische Weihnachtsmarkt von Thurn und Taxis. 
Da kann man Weihnachten kaum noch erwarten, oder?

November 29, 2017

Update: Über 2 Monate, Selbstreflexion & Regensburg

Zwei Monate sind vergangen, seit ich nicht mehr Zuhause wohne. Zwei Monate voller Höhen und Tiefen, Abenteuer, neuer Bekanntschaften und Erkenntnisse. Zwei Monate, in denen ich so viel über mich selbst lernte, wie selten zuvor. Zwei Monate, in denen ich so viel nachdachte, dass es für ein ganzes Jahr reichen würde. Zwei Monate und noch weiter zurückreichend. Hier sind sie:
Als ich mich Anfang diesen Jahres dazu entschloss, alles auf eine Karte zu setzen und nicht schon den Plan B in Betracht zu ziehen, bevor ich mich überhaupt an Plan A versucht hatte, glaubte ich nicht wirklich daran, dass ich heute dort stehen würde, wo ich jetzt stehe. Ich hoffte es, bangte. Und glaubte doch nicht, dass ich "gut genug" sei. Unfassbar viele Seiten Papierkram. Bewerbungsbögen, fünfseitige Motivationsschreiben. Einladungen zu Einstufungstests. Über den Sommer dann von Regensburg, über Saarbrücken, nach Weimar und wieder zurück. Viele Gespräche in den riesigen universitären Gebäuden, neue Bekanntschaften, von denen ich damals nicht einmal erahnte, dass sie heute meine Freunde sein würden.
Ich wagte es und gewann.

Anfang Oktober bin ich nach Regensburg gezogen und da mich ein paar von euch gefragt haben, ich studiere hier Deutsch-Französische Studien. Es handelt sich um einen binationalen Studiengang, weshalb ich zwei Jahre meines Bachelors in Deutschland und ein Jahr in Frankreich,  Clermont-Ferrand, absolvieren werde.

Mit dem neuen Lebensabschnitt kam so viel Neues auf mich zu, mit dem ich erst einmal zurechtkommen musste. Alleine wohnen, sich an das Studium gewöhnen, überall als Ersti belächelt und zugleich beneidet werden, einen neuen Freundeskreis aufbauen und an all die Pflichten denken. Doch so langsam hat sich alles wieder etwas normalisiert, ich habe das Gefühl, mich besser zurecht zu finden und trotz der immer näher rückenden ersten Klausur genieße ich das Leben hier in Regensburg in vollen Zügen.

In den nächsten Wochen gilt es hier auf dem Blog also einiges aufzuholen: die restlichen Interrail-Posts, Urlaubsinspirationen aus Madeira, ein bisschen Kultur, ein bisschen schönes Bayern. Ich hoffe also, dass ich die Zeit finde, all die schönen Inhalte noch mit euch zu teilen.

Genießt die schöne Adventszeit!

Café: Anna liebt Brot und Kaffee, Regensburg | Donaudurchbruch Kehlheim | Donau Regensburg

November 03, 2017

{Kolumne} Wage es

Als ich mir zum ersten Mal ernsthaft Gedanken über den Sinn des Lebens machte, über das, was ich erreichen möchte, über Glück und Trauer, Drama und die große Liebe, stieß ich am Ende immer wieder auf genau eine Frage: Denke bloß ich so viel nach, oder gibt es andere in meinem Alter, denen es genauso geht?

Inzwischen, ein paar Jahre älter und (hoffentlich) aus den auffressenden-dramatisch-chaotisch-pubertären Zeiten heraus gewachsen (würde man meine Eltern fragen, würden sie diese Frage zu 100%-iger Sicherheit mit 'nein' beantworten und lachen), sehe ich die Dinge ein bisschen anders. Ich weiß, dass es mit mir noch zig Millionen andere junge Menschen gibt, die sich Minute um Minute den Kopf zerbrechen. Seien es belanglose Themen à la „Warum ist jeder so verrückt nach Avocados?“ und „Ist Snapchat das Tagebuch von heute?“ oder tiefgründige Fragen wie „Kaffee oder eine Stunde früher Heim?“

Wir denken unfassbar viel nach.
Zerbrechen uns den Kopf und werfen mit all den Szenarien unseres Gedankenkarussells umher wie mit Porzellantellern. Der besagte Elefant ist bei uns bereits zum Dinosaurier geworden.

Wir denken unfassbar viel nach. Und übersehen dabei den Slogan an der Hauswand gegenüber:

„Wage es, das Leben zu lieben!“
Das Leben zu lieben. Wie soll ich dieses seltsame Etwas denn lieben, wenn ich noch nicht einmal weiß, was es ist, oder was ich bin?

„Wage es, nach dem Sinn deines Lebens zu suchen!“
Schon wieder dieses Wort, das ich nicht identifizieren kann. Deshalb ziehe ich den Duden zu Rate, der sagt:
1.) Gefühl, Verständnis für etwas; innere Beziehung zu etwas
a) (gehoben) jemandes Gedanken, Denken
b) (gehoben) Sinnesart, Denkungsart
2.) gedanklicher Gehalt, Bedeutung; Sinngehalt
3.) Ziel und Zweck, Wert, der einer Sache innewohnt

Stimmt. Das war wieder der Sinn des Lebens.

„Wage es, deinen eigenen Lebensstil zu finden!“
Und was genau hat Stil? Wenn ich mit halb offenen Knien durch die Straße laufe und mir aufgrund des fehlenden Jeansstoffes eine Blasenentzündung einfange? Oder wenn ich das trage, was mir gefällt, und dafür abwertende Kommentare meiner älteren Nachbar in meinem Komplimente-Glas sammeln kann?

„Wage es, den nächsten Schritt zu tun!“
Das ist es. Genau das, was uns von sämtlichen anderen Generationen vorgeworfen wird, was wir nicht tun würden.
Nicht weiter gehen.
Unser Leben nicht in die Hand nehmen.
Unser Leben nicht schätzen.
Uns nicht entscheiden können.
Nicht wissen, wie gut es uns eigentlich geht.

Und dabei vergisst jeder, dass man einer Generation keinen Namen geben kann und dass man erst recht nicht alle Jugendlichen in eine Schublade einordnen sollte.
Denn sind wir das nicht: Jung, wild, bunt. Vielfältig. Voller Chancen und Ideen. Wir selbst, mit einem eigenen Lebensstil, einem eigenen Sinn für all das. Verschieden. Anders. Und doch geeint.

Aus diesem Grund sollten wir es wagen.
Ohne dafür verurteilt zu werden.
Denn wir sind so viel mehr, als eine Generation.
Wir sind jeder für sich ein Individuum und 'Y' bloß ein Buchstabe unter vielen.
 Bilder: Donau in Regensburg, Oktober 2017

Oktober 03, 2017

Der letzte Sonnenstrahl des Sommers

Bevor die Tage kürzer werden, die Sonne früher hinter dem Hügel verschwindet und der Wind mich frösteln lässt, streife ich ein letztes Mal durch die Wiesen. Lege den Kopf in den Nacken und blicke nach oben gen Himmel. Einzelne Sonnenstrahlen kitzeln in meinem Gesicht und unwillkürlich schleicht sich ein Lächeln um meine Mundwinkel. Ich lasse das Gras hinter mir, folge dem schmalen Pfad hinein in den Wald. Links und rechts von mir große, mächtgie Tannen. Meine Beschützer. Wie oft bin ich in letzter Zeit durch den Zauberwald gestreift. 
Und so richte ich den Blick nach vorne und sehe doch immer wieder zu den Seiten. Da stehen sie und winken. Meine besten Freunde, meine Wegbegleiter. Was haben wir diesen Sommer über nicht alles erlebt?  
Eine Nacht, voll funkelnder Kleider, herzlicher Worte und Tränen, die sich nicht entscheiden konnten, ob sie vor Freude oder Traurigkeit flossen. Weitere Nächte folgten, in denen wir eng aneinander geschlungen, umzingelt von weiteren Menschen, auf der Tanzfälche alles gaben, die Augen schlossen und die Musik spürten. Auf die Nächte folgte Tage, wie glitzernde Tautropfen. Kleine und große Abenteuer. Von einer Reise mit der besten Freundin durch die Weiten der britischen Insel. Trainadventure nannten wir es liebevoll und genau das war es. Ein Abenteuer, das viel zu groß für uns schien und unser Herz mit unvergesslichen Momenten füllte. Doch auch die kleinen Abenteuer, so bunt und süß, zogen sich durch diesen Sommer. Hoch hinaus auf einen Berg von dem aus wir unsere Heimat mit anderen Augen sahen. Abende am Lagerfeuer mit verkohlten Würstchen und Wunderkerzen. Zu viel Bier und Schmerzen im Bauch vor lauter Lachen. Bunte Fahrgeschäfte und ein Gefühl der Schwerelosigkeit. Als läge die Welt in unseren Händen
Und so gehe ich weiter, vorbei an den Städten und Universitäten an denen ich mein Glück versuchte und reich belohnt wurde. Wunderbare Menschen, die mich begleiteten, die ich nach langer Zeit endlich wieder sah oder neu kennenlernte.
Die Arbeit am Wasser, die mir meine Verantwortung erst richtig bewusst machte, mich lehrte, auf mein Bauchgefühl zu vertrauen und mir zeigte, wie schnell ein Leben vorbei sein könnte, wie kostbar unseres ist.
Ganz vorne meine Familie. Die Hände schützen erhoben, mit den Handflächen nach oben, um mir zu zeigen, wie reich mein Leben an schönen Momenten ist.
Eine große Reise, eine Insel mitten im Meer. Madeira war ein Abenteuer der besonderen Art. Die Insel verschlug mir die Sprache, ich erinnerte mich an ein Picknick mit Tomaten auf dem Hotelbalkon und verschütten Wein. An Wanderungen über den Wolken und an Meeresschwimmen, das mehr Sommer nicht hätte sein können. 
Freibadbesuche mit der kleinen Schwester, die gar nicht mehr so klein ist. Kaffee trinken. Lachen. Weinen.
Es heißt, der Sommer nach dem Abitur, sei der beste und längste des Lebens. Und als ich so weiter gehe spüre die die letzten Sonnenstrahlen des Sommer auf meinem Gesicht. Ich bin hier, stehe am Rande meines besten Sommers und die Sonne geht langsam unter.

September 30, 2017

Sie sagten: Jedem Ende wohnt ein Anfang inne

Als ich klein war, kochte Mama mir immer Kakao, wenn ich traurig war.
Heute ziehen die Wolken an mir vorbei. Wechselnde Szenarien. Umschwung.
Das leere Zugabteil, nur ich und die weißen Seiten und die Felder, auf denen die Stummel des goldenen Getreides nur noch zu erahnen sind. 
Ein Tupfer blau, ich sehe ihn genau und spüre ihn, die Kornblume, in meiner Hand. Meine liebsten Blumen - zumindest früher
Ein Wort, das mich von dem Heute trennt und doch so vieles umschließt.
Die letzte Nacht im eigenen Bett rückt immer näher. Ein Kinderzimmer, das längst keines mehr ist.
Der Wald liegt im Schatten des Hauses. Mein Zuhause. Die Bäume meine Beschützer. Meine Hüter des Lichts und die besten Zuhörer.
Sie sagten: Jedem Ende wohnt ein Anfang inne. Doch warum sagten sie mir nicht, dass das Ende traurig und schön zugleich sein kann?

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