Oktober 27, 2016

{Wanderlust} Meeresgold - Borkum


Wenn der Himmel vor Farben zu explodieren scheint. Gold. Rosa. Orange. Ein wahres Spektakel, sämtliche Töne des Malkastens zusammen gemischt, so wunderschön, dass selbst die Möwen bloß ab und an aufkreischen.
Das Wasser kommt sachte am Strand an, als wolle es den Sand küssen, ihn bloß sanft mit seinen salzigen Lippen streifen. Die Dünen erstrahlen in hellen Tönen, die dunklen Wolken sind längst verzogen und was bleibt sind helle Streifen am Firmament.
Meeresgold.


Noch nie war ich im Herbst an der wilden, kühnen, rauen Nordsee. Noch nie habe ich gefröstelt, weil der Wind so eisig war und noch nie hat es mir in der Abenddämmerung so sehr die Sprache verschlagen. Ein Naturspektakel, dass ich nicht vergessen möchte.
Ganz sicher der schönste Tag/Abend auf der Nordseeinsel Borkum.

Warst Du auch schon einmal im Herbst an der Nord-/Ostsee? Kennst Du dieses ganz besondere Gefühl? 

Oktober 26, 2016

{Selbstgeschriebenes} Unten Blau, oben Weiß

In den letzten Wochen ganz tief unten.
Eine Masse. Tonnenschwer. Dunkel. Undruchdringbar.
Sie drückt mich nach unten, immer tiefer, bis ich auf dem Boden aufschlage.
Die Mauer, tagelang zusammengezimmert, bekommt Risse.
Stück für Stück bröckelt der Stein, bröckelt die Fassade.

Und dann?
Nur noch ich.
Ohne Mauer, Fassade, Schutz.
Bloße Haut, die durchzogen ist mit Mustern. Rissiges Porzellan. Splittriges Glas.

Und dann?
Nur noch ich.
Tief am Meeresboden. Von Wellen umzogen.

Der Druck (auf meinen Ohren) wächst. Von Minute zu Minute.
Das tiefe Blau umhüllt mich schützend - wie das Wolkenbett - und verrät mich doch!
Wäscht sämtliche Farben aus der Illusion. Erst Rot, dann Grün, dann Blau.
Blau wie das Meer.
Schließlich Weiß.
Weiß wie die Hoffnung.

Der Illusion weicht die Realität.
Bitter und süß zugleich. Bittersüß.
Sie übermahnt mich. Drückt mir die Kehle zu und verhindert das Atmen.
Atmen. Atmen. Atmen.
- Atmen nicht vergessen -

Das Blau wird durchzogen von Weiß.
Weiß wie die Hoffnung.
Ein Flimmern unter Wasser. Farbenspiel. Trugbild.
Doch das Spiel unter Wasser bleibt.
Alles weicht, doch es bleibt.
Standfest und unregelmäßig. Bloß ein Hauch. Ein Kitzeln auf der Haut. Deine Finger auf der Haut.

Ein Trugbild. Erneut Illusion. Meiner viel zu blühenden Fantasie entsprungen.
Und doch lässt es mich nicht mehr los. Lässt mich erwachen aus der Erstarrung, zieht mich heraus aus den eigenen Mauertrümmern. Weg vom Boden. Dem Flimmern hinterher.
Schwimmen gegen den Strom. Gegen die Wassermassen. Gegen das Blau.
Hin zur Oberfläche. Flimmern. Weiß.

Und ich schwimme. Breite die Arme aus, trete mit den Beinen.
Gegen den Strom.
Hin zum Weiß.
Durchbreche die Wasserdecke.
Aufatmen.
Luftholen.
Aufatmen.
Luftholen.
Wieder über Wasser.
Unten Blau, oben Weiß. Dazwischen ich.
Wieder über Wasser. Fast an Land.

Oktober 19, 2016

{Selbstgeschriebenes} Unaufhaltsam. Unverändert.

Der Himmel schimmert in den unterschiedlichsten Grautönen.
Hell. Dunkel. Hell. Dunkel.
Irgendwo hinter den Wolken lässt sich die Sonne erahnen.
Das Meer scheint mächtiger denn je. Rau und wild. Unaufhaltsam.
Jeden Tag gleich und doch ganz anders.
Denn wenn sie nachts, den Kopf voller Sorgen, wach liegt, am nächsten Tag die Stufen zwischen den Dünen erklimmt, für einen kurzen Augenblick die Luft anhält, ist es immer noch da.
Rau und wild. Unaufhaltsam. Unverändert.
Der Strand hat sich zurückgezogen, macht Platz für die Gischt.
Ist sie mutig genug, hinab zu steigen? Dem Meer entgegen zu blicken?
Auge um Auge.
Hier gibt es keine Maske, kein Geplänkel, kein Schauspiel.
Bloß das Meer und sie.
Die Wahrheit. Unverblümt und ernst
- sie schmeckt bitter.
Eine einsame Träne läuft ihre Wange hinab. Mit einem Mal sieht sie all den Trug und Schein der letzten Wochen. Erkennt, wie unsicher und hilflos, gar unbeholfen sie über das Seil wankte, immer kurz vorm Fall.
Die eisigen Fluten, sie kommen und gehen.
Doch egal, wie schmerzhaft die Wahrheit auch sein mag, wie fern die Lösung auch scheint, nach jeder Ebbe folgt die Flut. Und an jedem Morgen wartet das Meer auf sie.
Rau und wild. Unaufhaltsam. Unverändert.

Oktober 17, 2016

Erinnerungen - Wanderlust 2015



Ich blättere durch die Seiten. Betrachte den Sonneuntergang, damals auf der kleinen Insel mitten im Meer. Nur wir. Ein traumhafter Anblick. Gar unwirklich, aber doch in meinem Kopf festgebrannt.

Szenenwechsel.

Kreichende Möwen. Eiskalter Wind. Frösteln. Salz auf den spröden Lippen und ein breites Grinsen im Gesicht. Hier fühle ich mich zu Hause, hier komme ich an. Borkum - die Insel meiner Träume.

Wieder zurück.

Die schmalen Gassen, hoch zum Berg, wo die Kirche wie ein Schatten über uns wacht. Die Sonnen sticht auf uns nieder, ist unerbittlich und heiß. Doch es lohnt sich. Als wir oben ankommen, Stille. Niemand sagt ein Wort. Niemand kann den Blick abwenden, von dem, was sich uns da bietet. Das Meer. Die Adria. Wunderschön glitzert sie da. Lässt Boote auf sich schippern und empfängt uns mit einem kühlen Nass.

Wanderlust. Erinnerungen. Glücksmomente.

Diese Erinnerungen sind alle mit meinen Reisen, die ich 2015 unternehmen durfte, verbunden. Und auch wenn ich sie nieder geschrieben habe, reicht das nicht. Die Fotos waren viel zu lange auf meiner Festplatte verschollen. Unbeachtet, obwohl sie solch schöne Momente festhielten.

Wie auch 2014 habe ich es nun geschafft, die schönsten Bilder meiner Abenteuer, in einem Fotobuch von Cewe* festzuhalten.


Eigentlich war ich immer eine Verfächterin der guten alten Fotoalben, finde heute noch immer, dass diese etwas Nostalgisches, Romantisches an sich haben. Doch selbst gestaltet habe ich bis heute noch keines. Und somit ist ein Fotobuch eine Alternative, die nicht nur toll aussieht (die Qualtität der Bilder ist so hoch), sondern auch einfach zu konstruieren ist. 
Mit einer Tasse Tee und Kuscheldecke ins Bett und Bilder heraussuchen. So macht Erinnerungen sammeln Spaß!


Liebste Grüße,

*Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit "Cewe Fotoservice" - An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön für die Zusammenarbeit.

Oktober 16, 2016

"Schönes Skandinavien" von Kajsa Kinsella





"Schönes Skandinavien" *
Kajsa Kinsella
192 Seiten
Gebundene Ausgabe
Erschienen bei Eden Books
14, 95 Euro

Meine Meinung



Ein Buch, das dem Leser das skandinavische Lebensgefühl mit jeder Seite näher bringt, das Reiselust weckt und von den magischen Sagen des hohen Nordens träumen lässt.
Mit "Schönes Skandinavien" gibt der Berliner Verlag Eden Books ein Sachbuch heraus, das sich perfekt für herbstliche Abend eignet. Eine Tasse Tee, Kerzenschein und auf Richtung Norden.

Aufgeteilt in sechs große Kapitel kann man das Buch immer mal wieder in die Hand nehmen und stöbern.

So erfährt der Leser im Abschnitt "Mythen & Bräuche" mehr über das berühmte Kriegsschiff Vasa (heute im Stockholmer Vasa Museum zu bestaunen), taucht ein in die isländischen Sagen und träumt nachts vom starken Zauber des Tupilaks. 
Gerade in diesem ersten Kapitel gab es immer wieder Mythen und Bräuche, die ich persönlich so nicht kannte, die mich aber lehrten, die skandinavischen Länder besser zu verstehen, die Lust auf mehr machten und ein interessant zusammengestelltes Wissensspektrum boten.

Im Kapitel "Natürlich Nordisch" werden dem Leser Naturphänomene wie die norwegischen Fjorde, die Polarlichter oder die Thermalquellen näher gebracht. Aspekte, von denen man gehört hat, die man auch als typisch Nordisch klassifiziert, über die man aber trotzdem kaum etwas weiß. Und so staunte ich zum Beispiel darüber, dass Islandpferde, die das Land verlassen, aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zurückkommen können.
Auch die bekanntesten Wasserfälle etc. wurden hier angesprochen, ebenso Traditionen wie das Eisschwimmen.

Beim "Skandinavischen Design" dreht es sich, wie der Name schon sagt, um die Gestaltung im Norden, doch hingegen meiner Erwartungen liegt der Fokus nicht auf Ikea und Co., sondern viel eher auf Kleidungsstücken, Möbeln oder Spielzeug, die aus Skandinavien stammen. Ganz typisch wäre der Sandqvist-Rucksack oder die Färöer Pullover. Hier kann man viel Neues entdecken und an Inspiration mangelt es sicherlich nicht.

Mit mein liebstes Kapitel bezieht sich dann auf "Essen & Feier" in Skandinavien. Besonders angetan hat es mir das Mittsommerfest, doch auch die nur allzu bekannten Köttbullar, Kanelbullen oder der leckere Glögg sind nicht zu verachten. An dieser Stelle läuft wohl jedem das Wasser im Mund zusammen und es wird klar, dass die Skandinavier mehr können, als bloß Fisch fangen.

Inspiration für lange DVD-Abende oder Lesemarathons bietet das Kapitel "Kultur- & Krimi-Ikonen". Von Astrid Lindgren über die Mumins bis hin zu Lisbeth Salander, die nordische Kultur ist allen ein Begriff, hat eine große Bandbreite an Spannung zu bieten und ist längst Vorreiter in der Krimi-Szene Europas.

Nachdem man spätestens nach diesen interessanten Kapiteln Lust auf eine Reise in den hohen Norden bekommen hat, weist der letzte Teil, "Attraktionen & Architektur" bereits die ersten Must-Sees auf der Reiseroute auf. Toll war es an dieser Stelle festzustellen, dass ich die ein oder anderen Empfehlungen, wie Djurgarden in Stockholm oder den Skansen bereits gesehen habe.


"Schönes Skandinavien" ist wirklich ein Muss für alle Skandinavien-Liebhaber oder die, die es noch werden wollen. Denn jede Seite bietet ihren ganz eigenen Charme, tolle Bilder und Illustrationen laden zum Verweilen und Träumen ein. Den wohl größten Pluspunkt gibt es allerdings für die Originalität dieses Buches, denn stößt man immer wieder auf typisch nordische Dinge, die man so noch nicht kannte.


*An dieser Stelle nocheinmal ein herzliches Dankeschön an den Eden Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares. Es hat mir ein paar sehr schöne Stunden beschert und das Fernweh für den Norden automatisch wieder erweckt.

Oktober 04, 2016

Ein bisschen Abenteuer und Auszeit

Es ist verrückt, wie sehr sich ein Tag, ein Ausflug, wie Urlaub anfühlen kann. Etwas weniger als zwei Stunden Fahrt und plötzlich ist da dieser Abgrund. Die Schlucht. Ein Wanderweg, der mitten durch eine Klamm führt. Eine Hängebrücke, die als die längste Deutschlands gilt.
Ein bisschen Abenteuer. Ein bisschen Auszeit.









Oktober 01, 2016

{Kolumne} Vielfalt und Widerspruch


Wir sind laut.
Wir sind leise.
Wir sind eingeengt und frei.
Wir lieben das Leben und spielen mit dem Tod.

Wir sind ein Oxymoron. Ein Widerspruch in sich.
Unklar. Unsicher. Undefinierbar.
Wir laufen zu schnell und gehen zu langsam.
Wissen nicht, was wir wollen und verfolgend doch unser Ziel.
Ständig bestaunen wir unsere größten Vorbilder auf Instagram und schaffen es doch nicht, zum Sport zu gehen.
Wir ernähren uns gesund, aber trinken zu viel Alkohol.
Wir wollen vergessen und erinnern uns doch.
Wir verschwören uns gegen die Massentierhaltung, aber kaufen Kosmetik, für die so viele Tiere leiden mussten.
Wir streben nach Perfektion und sind eigentlich das Gegenteil von perfekt.
Wir sind aktiv faul.

Wir sind laut.
Wir sind leise.
Wir sind eingeengt und frei.
Wir lieben das Leben und spielen mit dem Tod.

Wir. Wir. Wir.
Zu viel wir. Zu viel Widerspruch.
Zu viel Ungewissheit und zu viele Differenzen.

Wir prallen gegeneinander, schlagen uns die Köpfe ein und merken doch nicht, dass wir uns trotz all der Widersprüche nicht unterscheiden. Denn wir sind eine Generation. Die Generation Y.

Und obwohl wir das Oxymoron mit Leib und Seele leben, alles dafür tun, unser Selbst in Frage zu stellen, werden wir doch dadurch vielfältig.
Aber wie viel Vielfalt verträgt die Einheit? Wie viel Vielfalt erträgt eine Generation?
Ist diese Frage nicht vollkommen überflüssig, wenn wir zuvor feststellten, dass wir uns alle in unserer Widersprüchlichkeit einen? Einen wir uns dann nicht auch in der Vielfalt?

Generation Vielfalt oder Widerspruch. Das ist, was uns das Leben lieben und mit dem Tod spielen lässt.
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