März 30, 2016

{Wanderlust} Leipziger Buchmesse


Überall tummeln sich Menschen. Menschen, die sich im Prinzip völlig fremd sind, die jedoch eines verbindet: Die Liebe zu Büchern.
Und diese Liebe war auf der Leipziger Buchmesse durchgehend zu spüren.


Leider hatte ich nur wenige Stunden Zeit, um mir die einzelnen Hallen anzusehen, doch es reichte zumindest um sich einen kleinen Überblick zu verschaffen, nicht aber, um in Buchwelten einzutauchen.

Es gab unheimlich viel zu sehen, für jeden war etwas dabei. Die Stände der einzelnen Verlage waren voller Leidenschaft verziert, präsentierten die neuesten Werke und ließen mein Herz höher schlagen.
Da ich freitags das Messegelände besuchte, ging es noch relativ ruhig zu, es herrschte eine fast entspannte Stimmung. 


Leider reichte die Zeit nicht, um weitere Blogger zu treffen und mir wurde bewusst, dass man Tage braucht, um die ganze Größe der Buchmesse in sich aufzunehmen.
Auf jeden Fall war es eine besondere Erfahrung, gerade für mich als Buchliebhaber. 
Und somit komme ich wieder. Mit einem größeren Koffer und mehr Zeit.


Warst Du schon einmal auf der Buchmesse in Leipzig oder Frankfurt? Wie gefiel es Dir? Und hat es Dich in diesem Jahr ebenfalls wieder dorthin verschlagen?

Liebste Grüße,

März 24, 2016

Prix des lycéens allemands 2016

Sechzehn Schüler als Vertreter der sechzehn Bundesländer. 
Vier französische Bücher. 
Ein Preis. 
Eine Sprache.



Am Donnerstag stieg ich voller Vorfreude in den Zug. Sechs Stunden Fahrt lagen vor mir, doch vergingen diese wie im Flug. Die Landschaft zog am Fenster vorbei, ein Lachen erklang im Abteil, jemand telefonierte auf Französisch.
Französisch - mein Stichwort. 
Denn die Gleise führten mich nach Leipzig, ins Institut Francais, um dort gemeinsam mit fünfzehn weiteren, ausgewählten Schülern den Preisträger des "Prix des lycéens allemands 2016" zu kühren.
Im Vorfeld hatten wir alle, meist unter der Anleitung unserer Französischlehrer, vier verschiedene Bücher gelesen, die ich bereits hier vorgestellt habe, und unsere persönlichen Favoriten ausgewählt. Dann wurde gemeinsam mit den anderen teilnehmenden Schulen des Bundeslands diskutiert und ein Vertreter dieses festgelegt. Natürlich alles auf Französisch. ;-)
Und so hatten wir sechzehn das große Glück, zwei tolle Tage in Leipzig zu verbringen.
Begann alles mit einer kleinen Vorstellungsrunde, fanden wir uns plötzlich in einer angeregten Diskussion über die nominierten Bücher wieder. Knapp zwei Stunden wägten wir Vor- und Nachteile der literarischen Werke ab, bis wir schließlich über den diesjährigen Gewinner abstimmten.
Danach wurde die Präsentation der einzelnen Werke vorbereitet. Doch nicht auf herkömmliche Weise mit Power Point, sondern in Form eines kurzen Theaterstücks oder Interviews. Auch hier verging die Zeit wie im Flug und schnell hatte sich die Nacht über Leipzig gelegt.
Der Tag schloss mit einem leckeren gemeinsamen Essen und Gespärchen mit den Autoren, bis wir spät nachts schließlich auf Französisch träumten.

Valérie Dayre (links) & Orianne Charpentier (rechts)

Der nächste Tag startete mit der chaotischen Fahrt zur Buchmesse. Es brauchte drei Bahnen, bis wir mit all unseren Koffern endlich ankamen. Doch die Fahrt lohnte sich definitv, begrüßte uns schon bald das riesige Messegelände.
Koffer abgeben und auf zu zwei Vorlesungen der Autorinnen Valérie Dayre ("Ce chaier est pour toi") und Orianne Charpentier ("Après la vague"). Beide unheimlich sympathisch, mit einer mitreißenden Stimme und berührenden Romanen.
Nach einem leckeren Mittagessen und dem Stöbern über die Buchmesse folgte der festliche Teil der Veranstaltung. Die Preisverleihung im offiziellen Rahmen. Zu diesem Zeitpunkt wurde mir vermutlich erstmals bewusst, wie groß die ganze Sache eigentlich war, wie toll es war, mein Bundesland somit vertreten zu dürfen. Neben vielen Reden präsentierten auch wir die nominierten Lektüren und gaben am Schluss voller Spannung den Preisträger bekannt. 
"Une arme dans la tête" von Claire Mazard. 
Erst abends merkte ich, wie sehr mir die Wangen vor lauter Lachen weh taten.

Doch was ich mit diesem Beitrag eigentlich sagen wollte: 
Lest in der Fremdsprache. Lest auf Französisch. Es gibt so viele tolle, aber vielleicht noch unentdeckte Bücher, die nur darauf warten, gelesen zu werden. Es gibt so viele Möglichkeiten, Teil der französischen Sprache zu werden. Der "Prix des lycéens allemands" ist nur ein Teil davon, den ich euch aber nur ans Herz legen kann. Dadurch steht einem so viel offen, man verbringt eine tolle Zeit mit Menschen, die nicht nur wunderbar Französisch sprechen, sondern auch weltoffen und kulturbegeistert sind. Man erlebt eine Preisverleihung live mit, vertritt sein Bundesland und wird Teil der Leipziger Buchmesse. 

Alors, lisez en francais!


März 22, 2016

{Rezension} 4 livres - Prix des lycéens allemands 2016

Im Rahmen des "Prix des Lycéens allemands" habe ich im Laufe des letzten Jahres und Anfang diesen Jahres vier französische (Jugend-) Romane gelesen, die allesamt etwas ganz Besonderes sind. Von Alzheimer bis hin zu einem Kindersoldaten war alles dabei. 
Spannung, Emotionen und ein Stück französische Kultur.



"Après la vague" d'Orianne Charpentier


Es ist ein schöner Tag an der Terrasse des Hotels. Die Familie sitzt zusammen am Tisch. Sie plant, einen Tempel zu besichtigen. Aber mit diesem türkisblauen Meer… hat Maxime gar keine Lust. Er bleibt gemütlich sitzen und genießt den Sandstrand mit Jade, seiner Zwillingsschwester. Wenige Minuten später schwillt eine Welle an. Eine Welle, die immer größer wird. Eine Welle, die alles verschlingt. Auf ihrer überstürzten Flucht lässt Jade die Hand ihres Bruders los. Max bleiben keine Worte, Keine Tränen, keine Gegenwart, keine Zukunft. Wird er dieses Drama überleben? 

Ein Roman, der unter die Haut geht. 

"Après la vague" handelt von Verlust, Trauerverarbeitung und dem schlimmen Tsunami 2004. Orianne Charpentier berührt ihre Leser mit einer Vielfalt und einem eher ungewöhnlichen Umgang mit Verlust. Und überallem schwebt die Metapher der Welle, die so viel mehr zu bedeuten scheint.


"Au monis un" d' Irène Cohen-Janca


Erster Tag im Call-Center. Folgsam und resigniert lernt Marie die Regeln des Telemarketings im Open-Space: Positive Formulierungen, ruhiges Verhalten unter allen Umständen, ,,ein Lächeln, das man hört“ wie ihr Vorgesetzter sagt. Aber wenn man von ihr verlangt, dass sie ihren Namen auf Sonia ändert, merkt Marie, dass sie im Begriff ist, sich selbst zu vergessen. Bis zu dem Tag, an dem sie Frau ,,Au Moins un“ wieder begegnet, einer Französischlehrerin, die ihren Schülern empfahl mindestens ein Gedicht auswendig zu lernen: Ein Gedicht für sich, wie ein Unterschlupf, in den man flüchten kann, wo und wann auch immer. Marie erinnert sich wieder an das Gedicht, das sie als ein Selbstporträt gelernt hatte, ,,Marie“ von Guillaume Apollinaire. Das war der Auslöser. Marie wehrt sich gegen diese Berufsausbilderin mit voluminöser Föhnfrisur, die sie erstickt, gegen ihren Freund Mickaël, der möchte, dass sie ein bisschen mehr ,,wie die anderen“ ist und sie betrügt, und gegen ihre Mutter, die möchte, dass sie denkt wie sie. Marie will Frisörin werden. Und jetzt weigert sie sich, auf ihre Träume zu verzichten. 

Ein Roman, der den Alltagstrott verlässt und jeden Leser nach seinem einen Gedicht suchen lässt.

Cohen-Janca übermittelt eine Botschaft, die wichtiger nicht sein könnte: Lebe deinen Traum. 
Und eben diese schöne Moral lässt den Leser innehalten, über das eigene Leben nachdenken. 
Zog sich das Buch stellenweise auch etwas, ließ es den Leser am Ende doch nachdenklich zurück, mit dem Gedanken, welches Gedicht wohl das seine ist.


"Ce chaier est pur toi" de Valérie Dayre


Granninouchka schreibt Gaspard, ihrem Enkelsohn, um ihm zu erklären, was ihr gerade passiert ist. Ein komisches, unangenehmes Abenteuer, das sie trotzdem versucht, mit Humor zu nehmen. Ein Abenteuer, das noch komischer wird, als sie einen kleinen Pavillon hinten im Park des Pflegeheims, wo sie (eingesperrt?) ist, entdeckt, in dem ein Kind lebt. Ein Kind? Oder einer Familie? … Gespenster? Sie weiß es nicht, sie weiß es nicht mehr. Das eben ist vielleicht das Problem: Verliert sie den Verstand?  

Ein Roman, der uns lernt, Alzheimer besser zu verstehen.

Dayre könnte ihre Leser nicht mehr verwirren, als mit "Ce chaier est pour toi". Gemeinsam mit Granninochka versucht man, zwischen Realität und Einbildung zu unterscheiden, sich in dem doch sehr hohen (und eher umgangssprachlichen) Sprachniveau zurecht zu finden. Doch eben dies verdeutlicht, wie ein Mensch, der unter Allzheimer leidet, sich fühlen, bzw. denken muss. 
Auch wenn der Roman eher zu einer älteren Zielgruppe passt, brachte es uns junge Menschen den Betroffenen ein Stück näher, brachte Verständnis und Mitgefühl.


"Une arme dans la tête" de Claire Mazard


Ein junger afrikanischer Teenager lebt in einem Jugendheim in der Nähe von Paris. Als ehemaliger Kindersoldat wurde er von einer Privatarmee in seinem Land manipuliert und unter Drogen gesetzt. Heute versucht er, diese Jahre in ständiger, äußerster Gewalt zu vergessen und sein Leben neu aufzubauen. 
(Quelle)

Eine Hymne ans Leben. Ein Roman, der im Gedächtnis bleibt.

Claire Mazard hat mich mit ihrem Buch zutiefst berührt. Ein Charakter, der nicht nur komplex ist, sondern mit dem man sich auch identifizieren kann. Ein Leben mit einem schweren Trauma, eine Vergangenheit, die man sich kaum vorstellen kann. Und trotz all dem versucht Appollinaire seinen Weg zurück ins Leben zu finden.

"Parce-que c'est une arme dans la tête!"  Das Gewinnerbuch 2016.



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