Oktober 03, 2017

Der letzte Sonnenstrahl des Sommers

Bevor die Tage kürzer werden, die Sonne früher hinter dem Hügel verschwindet und der Wind mich frösteln lässt, streife ich ein letztes Mal durch die Wiesen. Lege den Kopf in den Nacken und blicke nach oben gen Himmel. Einzelne Sonnenstrahlen kitzeln in meinem Gesicht und unwillkürlich schleicht sich ein Lächeln um meine Mundwinkel. Ich lasse das Gras hinter mir, folge dem schmalen Pfad hinein in den Wald. Links und rechts von mir große, mächtgie Tannen. Meine Beschützer. Wie oft bin ich in letzter Zeit durch den Zauberwald gestreift. 
Und so richte ich den Blick nach vorne und sehe doch immer wieder zu den Seiten. Da stehen sie und winken. Meine besten Freunde, meine Wegbegleiter. Was haben wir diesen Sommer über nicht alles erlebt?  
Eine Nacht, voll funkelnder Kleider, herzlicher Worte und Tränen, die sich nicht entscheiden konnten, ob sie vor Freude oder Traurigkeit flossen. Weitere Nächte folgten, in denen wir eng aneinander geschlungen, umzingelt von weiteren Menschen, auf der Tanzfälche alles gaben, die Augen schlossen und die Musik spürten. Auf die Nächte folgte Tage, wie glitzernde Tautropfen. Kleine und große Abenteuer. Von einer Reise mit der besten Freundin durch die Weiten der britischen Insel. Trainadventure nannten wir es liebevoll und genau das war es. Ein Abenteuer, das viel zu groß für uns schien und unser Herz mit unvergesslichen Momenten füllte. Doch auch die kleinen Abenteuer, so bunt und süß, zogen sich durch diesen Sommer. Hoch hinaus auf einen Berg von dem aus wir unsere Heimat mit anderen Augen sahen. Abende am Lagerfeuer mit verkohlten Würstchen und Wunderkerzen. Zu viel Bier und Schmerzen im Bauch vor lauter Lachen. Bunte Fahrgeschäfte und ein Gefühl der Schwerelosigkeit. Als läge die Welt in unseren Händen
Und so gehe ich weiter, vorbei an den Städten und Universitäten an denen ich mein Glück versuchte und reich belohnt wurde. Wunderbare Menschen, die mich begleiteten, die ich nach langer Zeit endlich wieder sah oder neu kennenlernte.
Die Arbeit am Wasser, die mir meine Verantwortung erst richtig bewusst machte, mich lehrte, auf mein Bauchgefühl zu vertrauen und mir zeigte, wie schnell ein Leben vorbei sein könnte, wie kostbar unseres ist.
Ganz vorne meine Familie. Die Hände schützen erhoben, mit den Handflächen nach oben, um mir zu zeigen, wie reich mein Leben an schönen Momenten ist.
Eine große Reise, eine Insel mitten im Meer. Madeira war ein Abenteuer der besonderen Art. Die Insel verschlug mir die Sprache, ich erinnerte mich an ein Picknick mit Tomaten auf dem Hotelbalkon und verschütten Wein. An Wanderungen über den Wolken und an Meeresschwimmen, das mehr Sommer nicht hätte sein können. 
Freibadbesuche mit der kleinen Schwester, die gar nicht mehr so klein ist. Kaffee trinken. Lachen. Weinen.
Es heißt, der Sommer nach dem Abitur, sei der beste und längste des Lebens. Und als ich so weiter gehe spüre die die letzten Sonnenstrahlen des Sommer auf meinem Gesicht. Ich bin hier, stehe am Rande meines besten Sommers und die Sonne geht langsam unter.

September 30, 2017

Sie sagten: Jedem Ende wohnt ein Anfang inne

Als ich klein war, kochte Mama mir immer Kakao, wenn ich traurig war.
Heute ziehen die Wolken an mir vorbei. Wechselnde Szenarien. Umschwung.
Das leere Zugabteil, nur ich und die weißen Seiten und die Felder, auf denen die Stummel des goldenen Getreides nur noch zu erahnen sind. 
Ein Tupfer blau, ich sehe ihn genau und spüre ihn, die Kornblume, in meiner Hand. Meine liebsten Blumen - zumindest früher
Ein Wort, das mich von dem Heute trennt und doch so vieles umschließt.
Die letzte Nacht im eigenen Bett rückt immer näher. Ein Kinderzimmer, das längst keines mehr ist.
Der Wald liegt im Schatten des Hauses. Mein Zuhause. Die Bäume meine Beschützer. Meine Hüter des Lichts und die besten Zuhörer.
Sie sagten: Jedem Ende wohnt ein Anfang inne. Doch warum sagten sie mir nicht, dass das Ende traurig und schön zugleich sein kann?

September 28, 2017

"Hygge! Das neue Wohnglück" von Marion Hellweg

Ich habe eine neue Obsession entwickelt: Ratgeber. Lange bin ich um dieses nichtfiktionale Genre herum geschlichen und habe mich nie wirklich daran getraut, doch seit dem Gedanke an die eigene Wohnung habe ich auch einen Zugang zu Ratgebern gefunden. Diese können alles andere als trocken sein und bieten so viel Raum für eigene Gedanken.

Mit Marion Hellwegs "Hygge! Das neue Wohnglück"* aus dem DVA-Verlag zog nicht nur das erste Interior-Buch bei mir ein, sondern ich beschäftigte mich erneut mit der dänischen Lebensphilosophie, diesmal auf eine ganz andere und zugleich passende Art. Denn wann bietet sich ein Wohnbuch besser an, als kurz vor bzw. während dem Umzug?
Vorgestellt habe ich mir solch ein Wohnbuch aus dem hohen Norden ganz nach dem klassischen Klischee: Hochglanzbilder von perfekt aufgeräumten Zimmern, in denen jedes Möbelstück aufeinander abgestimmt ist und man das Gefühl hat, vor lauter Sterilität kaum einen Schritt in die Wohnung machen zu können. Doch "Hygge!" hat mich von meinen Wohnbuch-Vorstellungen gänzlich abgebracht.  Natürlich sind auch hier die Wohnräume perfekt in Szene gesetzt, doch von der gewissen Sterilität merkt man hier nichts. Viel eher verstörmt das Buch ein behagliches Gefühl - hyggelig eben.

Der Einband des Buches ist zugleich aufwendig und schlicht gestaltet. Das Titelbild, mit den für den Norden typischen schwarz-weißen Akzenten, wirkt auf den Betrachter ruhig, aber auch stimmig. An den Seiten und über den Buchrücken wurde eine Art Streifenmuster gezogen, sodass sich das Wohnbuch abhebt und allein der Einband als Blickfänger gilt.
Auch die Aufmachung des Buches ist sehr ästhetisch. Man spürt einen modernen Stil, der mit der Gemütlichkeit des dänischen Hygges kombiniert wurde und diese Mischung zieht sich wie ein roter Faden durch das Sachbuch.

"Die Mischung aus Lebensfreude und Individualität macht ein Hygge-Home aus"
(S. 11)


Aufgeteilt ist Marion Hellwegs Werk in acht Kapitel, in denen man als Leser Einblicke in verschiedene Wohnungen/Häuser bekommt. Unterschieden wird hierbei in unterschiedliche Stilrichtungen wie "Dänisch mit Stil", "Froh und munter", "Wohnen mit Pflanzen", "Stilmix in Weiß", "Nordisch mit Charme", "Ländlich und feminin" sowie "Natürlich mit Esprit" und "Frisch und modern". So verschieden die Stile auch klingen mögen., vereint die Wohnräume doch alle durch das eine: das geborgene, vertraute und wohlige Wohngefühl.
Neben dem "Durch's-Fenster-spitzen" in andere Wohnungen befindet sich in jedem Kapitel ein kurzes Interview mit Menschen, die sich mit Interior beschäftigen, so zum Beispiel mit dem Gründer von &tradition (ein dänisches Designunternehmen) Martin Kornbek Hansen. Doch auch einige Blogger wurden interviewt, was dem Buch eine gewissen Frische und Abwechslung bereitet. Darüber hinaus findet man in jedem Kapitel Inspirationen, um das eigenen Heim hyggeliger zu Gestalten, seien es Lichtquellen, verschiedene Materialien oder Pflanzen, Blumen und Zweige.
Auch wenn Wohnbücher in Zeiten von Instagram, Pinterest und all den Wohnzeitschriften einen schweren Bestand haben, zeigte gerade Marion Hellwegs "Hygge! Das neue Wohnglück", dass es sich lohnt, die Interior-Inspiration selbst in den Händen zu halten. Denn dieses Buch ist nicht nur für jede Wohnung ein echter Hingucker, sondern regt die eigene Dekorations-Lust an, inspiriert und bringt mit dem nordischen Wohnstil ein Stück Hygge in jedes Heim.



* Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit dem DVA - Verlag und dem Bloggerportal. Ein herzliches Dankeschön für dieses tolle Rezensionsexemplar.

September 25, 2017

"Hygge - Wie dänische Gemütlichkeit dein Leben glücklicher macht"

"Hygge erhellt die langen, dunklen skandinavischen Winter mit Kerzenlicht und knisterndem Kaminfeuer. Hygge entsteht, wenn man Geselligkeit mit Freunden und Familie teilt. (...) Dahinter steckt eine Lebensphilosphie, die das Glück in den einfachen Freuden des Alltags findet, ob man nun einen Sonnenaufgang genießt oder mit Freunden zusammen isst und plaudert."
(S. 7) 

Hygge [Hü-geh] - ein Wort, das seit kurzem überall auftaucht und zum Nachdenken anregt. Die dänische Lebensweisheit, auch ich kam nicht an ihr vorbei. Da ich alles, was mit den nordischen Ländern zu tun hat, liebe, freute ich mich umso mehr, das Buch "Hygge- Wie dänische Gemütlichkeit dein Leben glücklicher macht"* aus dem ars Edition - Verlag in den Händen zu halten. Hierbei handelt es sich in der Tat um ein Buch, das glücklicher macht. Denn allein der Anblick dieser Anleitung für die dänische Lebensweise verströmt ein hyggeliges Gefühl. Selten habe ich ein Sachbuch gesehen, das mit solch einer Detailliebe gestaltet wurde. Mit jeder Seite entdeckt man als Leser weitere wunderschöne Bilder, in denen man sich verlieren kann und die einen inspirieren. Ebenso ist die Gestaltung des Textes im Buch ein Hingucker, die Schriftarten variieren und harmonieren doch mit Bild. Und eben diese Harmonie strömt während dem Lesen eine gewisse Ruhe, ein Glücksgefühl aus, wodurch das hyggelige Gefühl von Anfang an eintritt.

Aufgeteilt ist das Buch der Gemütlichkeit in sechs Kapitel, die sich mit verschiedenen Bereichen des Lebens beschäftigen. Man hat tatsächlich das Gefühl, eine Step by Step Anleitung für ein hyggeligeres Leben in den Händen zu halten. Hier ein kurzer Einblick in die Kapitel des Hygge-Buches:

Erstes Kapitel - So holst du Hygge in dein Haus:
Die ersten Seiten des Buches bieten auf den ersten Blick sehr einfach und dennoch effektive Tipps. Hierfür braucht es kein Geld, sondern man holt Hygge einfach mit den Dingen, die man sowieso zur Verfügung hat, ins Haus. Sei es durch frische Luft, Mitbringsel aus der Natur oder Kerzenlicht. Oftmals werden hier schöne Tipps gegeben, so zum Beispiel eine Auflistung der Pflanzen, die das Raumklima verbessern, die man ganz leicht in die Tat umsetzen kann.

Zweites Kapitel - Handarbeiten sorgen für Gemütlichkeit:
Als eher handwerklich unbegabter Mensch bin ich Handarbeit gegenüber etwas zweigespalten. Im Grunde finde ich es wundervoll, wenn andere nähen oder stricken können, doch mir selbst traue ich es einfach nicht zu. Mit diesen schönen Handarbeits-Inspirationen jedoch bekomme selbst ich Lust, mich einmal an dem süßen Teewärmer zu versuchen. Hier zeigen Jonny Jackson und Elias Larsen, dass Handarbeit ein toller Zeitvertreib sein kann, bieten gut umsetzbare Ideen für ein hyggeligeres Zuhause.

Um nicht noch mehr aus dem kleinen Buch der Glückseligkeit vorweg zu nehmen, fasse ich mich kurz:
Mit "Hygge" haben Jonny Jackson und Elias Larsen ein Buch geschaffen, durch das man einfach gerne hindurch blättert. Mit dem man abends vor dem Kamin sitzen kann, sich bereits die nächsten Abenteuer im Freien, wie ein Picknick im Herbst, überlegt oder das Rezept vom Obstauflauf mit Streuselkruste ausprobiert. Hier ist für jeden etwas dabei und "Hygge" is für einige Überraschungen gut.  
Das Schöne an dem Buch ist, dass man die Ideen für ein hyggeligeres Leben sehr gut und einfach umsetzen kann.
Vielleicht handelt es sich hierbei um kein Buch, das man unbedingt braucht. Aber um eines, das das Leben schöner macht, das inspiriert und Lust auf Veränderung, Ruhe und schöne Momente bereitet.


*Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit dem ars Edition - Verlag. Ein herzliches Dankeschön für dieses tolle Rezensionsexemplar.


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